Siberian Emails I

Liebe Theresia,

manchmal liegt im Herbst so ein Geruch von Frost und Holzfeuer in der Luft, bei dem mich Wehmut überkommt. Dann riecht es für mich nach Russland. Vor genau 10 Jahren, im Oktober 2014, trat ich als junge Journalistin mit einem Stipendium der Zeit-Stiftung meine Reise durch Sibirien an, auf der ich Schamanen, lebende Tote und deutschsprachige Sibirier treffen sollte und bei minus 36 Grad zum Barbecue ging. Und weil das alles nicht in Vergessenheit geraten soll, werde ich hier meine Mails von damals an die Freunde daheim wieder hervorkramen. Los geht’s es mit einer angegruselten Mail aus Moskau.

From Moscow with Love

Mein Zug nach Ulan-Ude am Baikalsee. Der Mann im Vordergrund hat schon die richtige Kleidung für die lange Fahrt mit der Transsib an: Trainingsanzug und Filzpantoffeln

10. Oktober 2004

Dorogije drusja,

gleich steige ich in den Zug nach Ulan-Ude und will noch kurz Grüße aus der Großen Ruhmreichen senden. Bin gestern in Moskau angekommen und netterweise von meinem ehemaligen Klassenkameraden Grischa abgeholt worden.

Grischa besitzt inzwischen zwei Wohnungen, zwei Kinder und eine Firma. Ein seriöser Geschäftsmann. Und mitten im Stau auf der langen Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum griff er in seinen seriösen Aktenkoffer und präsentierte mir stolz seine Kalaschnikow. Die hat er, weil er seine Firma schützen muss. Und seine Firma hat er, weil er als 18-Jähriger zwei Jahre in einem fremden Land gekämpft hat und es seinen Worten zufolge dort üblich war, den toten Gegnern das Geld aus den Taschen zu räumen. Ölgeld, 30.000 Dollar, sagt er. So habe er den Grundstein für seine Firma gelegt. Machen doch alle so. Aha.

Aber mich führt er galant durch Moskau, das voller Lederjacken und Westautos ist. Jetzt hocke ich bei ihm im Büro und bin mit Fürchten beschäftigt. In einer Stunde geht mein Zug nach Ulan-Ude am Baikalsee. Huaahhh. Vier Tage ins Unbekannte hinein.

Ich hoffe wir sehen uns wieder, viele Grüße
Katharina

Pimp up your dungarees!

Liebe Katharina,

Weil Lore heute mit Papa schlafen geht, habe ich mich endlich dazu durchgerungen, ihre zerschlissenen Jeans zu flicken. Eigentlich ist Flicken nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber die Hose ist von Oma und Opa und außerdem sehr praktisch. Deshalb hat Lore sie oft getragen, was an den Knien seine Spuren hinterlassen hat.

Hosen flicken

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Also habe ich beide Taschen abgetrennt und größere über die Löcher und die dunkleren Stellen, die die Taschen hinterlassen haben, genäht. Damit die großen Taschen nicht zu plump aussehen, habe ich mir mit einer netten Bordüre etwas einfallen lassen. Schon sieht die Hose wieder aus wie neu, oder sogar besser!

Jeans

Übrigens freue ich mich schon auf den Schnitt der Mütze!

Arbeitszeit: 45min

Ganz liebe Grüße,
Theresia

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